Historie des Schlossparks Neuwied

Gesamtplan
Plan von 1751
Plan von 1876

Nachdem das vom Stadtgründer Graf Friedrich III 1648 erbaute erste Neuwieder Schloss 1694 den pfälzischen Erbfolgekriegen zum Opfer fiel, begann man 1707 nach Plänen von Julius Ludwig Rothweil mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses. Nach der Fertigstellung des Hauptgebäudes 1715 entstand in Verlängerung der Schlossachse parallel zum Rhein die symmetrische Anlage eines barocken Schlossgartens, durch Damm und Aufschüttung vor Hochwasser geschützt. Eingerahmt durch Mauer und zweizeilige Baumreihe, streng gegliedert nach französischem Muster mit rechteckigen Zierbeeten, verschiedenförmigen Bosketts und Wegesternen und einem landwärts angegliederten Küchengarten, wurde der Park unter Graf Johann Friedrich Alexander weiter ausgebaut. Daneben schmückten Springbrunnenbassin, Grotten, Voliere und eine Fasanerie die barocke Gartenanlage. Der so in etwa 6 ha große Park ist im Plan des Baumeisters Behaghel von 1751 gut zu erkennen.

Während der Residenz von Fürst Friedrich Carl (1791 - 1802) erfuhr der Park durch die Entfernung kostbarer Bepflanzung und Überformung der barocken Symmetrie eine starke Veränderung und wurde 1810 unter Fürst Johann August nach dem Vorbild des englischen Landschaftsgartens umgestaltet. Seine Ausstattung wurde mit exotischen Pflanzen bereichert, die überwiegend von den Amerikareisen des Prinz Maximilian stammen dürften. Der Park kann deshalb auch als Arboretum (Gehölzsammlung) bezeichnet werden. Durch die großräumige Umgestaltung dehnte sich der Park bis zur Wiedmündung über eine Fläche von rund 24 ha aus. Eine weitere Umgestaltung ab 1870 stand unter dem Einfluss der Parkanlage von Muskau und deren Gestalter Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Der Situationsplan von 1876 dokumentiert den Zustand des Parks, wie er im Zuge der Beratung durch den Muskauer Gartendirektor Eduard Petzold verändert wurde. 

Durch den Deichbau in den Jahren 1928 - 1932 erfuhr der Park eine Verkleinerung um ca. 3 ha, die landeinwärts ein halbes Jahrhundert später durch eine Siedlungserweiterung für ein Wohngebiet genutzt wurde.

Heutiger Zustand und Entwicklungsziele

Die heute 21 ha große Parkanlage befindet sich noch immer im Eigentum des Fürsten zu Wied, wobei ein 6 ha großer Teil privat genutzt wird. Der größere Teil ist an die Stadt Neuwied verpachtet. Durch unzureichende Pflege und natürliche Sukzession veränderte der Park im Laufe der Jahrzehnte sein Erscheinungsbild und verlor damit auch einen Teil seiner Qualität und Erholungsfunktion.

Unter Berücksichtigung seiner historischen Bedeutung soll der Schlosspark als Naherholungs-, Spiel- und Freizeitgelände für alle Generationen weiterentwickelt werden. Er soll anschließend wieder mehr als heute zum Aufenthalt und Flanieren, zu Spiel, Sport und Bewegung und auch zur Naturerfahrung einladen. Durch naturgerechte Pflege und Gestaltung der Grünflächen und Gehölzbestände wird der Landschaftspark - mit seinen besonderen Bäumen und der Rheinpromenade - wieder erlebbar werden. Mit diesen Maßnahmen wurde bereits im Jahr 2003 begonnen.

Modellprojekt Spielleitplanung

Für die Neuwieder Innenstadt wurde im Zeitraum 2001 bis 2003 das "Modellprojekt Spielleitplanung" - gefördert von der Landesregierung im Rahmen des Aktionspro-gramms "Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz" - durchgeführt. Mit diesem Projekt wurde unter intensiver Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ein Maßnahmenprogramm zur Verbesserung der Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsfunktion in dem Planbereich entwickelt und vom Stadtrat im Oktober 2003 als Orientierungsrahmen für weitere Planungen beschlossen. Die Aufwertung des Schlossparks ist dabei als erstes "Starterprojekt" festgelegt worden.

Die im Rahmen des Modellprojekts Spielleitplanung erkannten Potentiale der Parkanlage für die Naherholung und Freizeitnutzung für Jung und Alt sollen mit dem verfolgten Entwicklungskonzept, dessen Realisierung über einen längeren Zeitraum angelegt ist, wieder reaktiviert und weiterentwickelt werden.

Geplant wurde die Umgestaltung von der Planergemeinschaft Apel/Schelhorn (Dortmund/Frankfurt).

Gestaltungskonzept 2004 - Geplante Maßnahmen

Weidenweg
Bewegungsgraben
Aktionsplatz
Balancierweg
Liegender Ausblick
Leuchtturm


Die für Kinder und Jugendliche besonders geplanten Bereiche erstrecken sich von der Grenze zum Privatteil des Schlossparks über die Hälfte der Gesamtfläche.

Naturspielraum:
Der alte, kleine Kinderspielplatz wird abgebaut, um auf einer größeren Fläche  einen naturnahen Spielraum mit Bäumen, Pfaden, Lichtungen und "wilden Steinen" zu entwickeln.

Der neu gestaltete Weidenweg verbindet den Naturspielraum mit der Rheinpromenade und lädt an einigen Zugängen in die Spielwälder ein. Sie bieten Möglichkeiten zum Streifen und Entdecken auf Muldenwegen, zum Klettern auf Bäumen und haben teilweise Aussichtspunkte zum Rhein (siehe Skizze links).

Verweilen und Spielen entlang der Rheinpromenade:
Wer nicht auf den Wiesen liegen oder auf Baumstämmen hocken möchte, kann auf neuen Sitzplätzen mit Bänken Platz finden.

An der kleinen Wegekreuzung wird ein größerer, naturnaher Sandspielbereich mit Aufenthaltsmöglichkeiten für Erwachsene als Ersatz für den alten Spielplatz neu angelegt.

Zwischen drei großen Bäumen soll ein "magischer Steinkreis"  mit Findlingen und Bruchsteinen errichtet werden, er bietet auch für Gruppen Aufenthaltsmöglichkeiten.
Eine "Kokosseillinie" lädt zum Balancieren, Klettern, Sitzen und zu neuen Ideen ein.
Der "Balancierweg" und der "Erlebnisgraben" werden weitere Möglichkeiten zum Spielen, Ausprobieren und Verweilen bieten.
Ein aus starken Netzen gespannter "liegender Ausblick" sowie der aus natürlichen Materialien wie Kokos, Treibholz und geschälten Baumstämmen projektierte "Leuchtturm" sollen später zwei weitere markante Kletter-, Ruhe- und Aussichtspunkte werden.

Im Uferbereich sind großzügige Treppenanlagen geplant als Aufenthaltsbereiche für alle Generationen: Sitzen, Träumen am Wasser, Picknick und Treffen, Sonnenuntergang und Schiffe beobachten.

Abschlusspunkt am Rheinuferweg soll eine "Riesenboje" direkt an der Wiedmündung werden, als Zielpunkt für Spaziergänger, Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche, Kunst zum Anfassen und Beklettern, Zeichen für die Schifffahrt.
 
Parkanlage und Wiesenflächen:
Das ursprüngliche Wegenetz wird wieder instandgesetzt, damit der Schlosspark insgesamt wieder begehbarer wird. Eventuell sollen später einzelne, neue Wegeabschnitte entstehen, die neue Ausblicke in den Schlosspark eröffnen.

Im Bereich der großen, offenen Grünflächen im zweiten Abschnitt des Parks werden auf den Wiesen Spielfelder entstehen, die auch für sportliche Zwecke wie Ballspiel dienen können.
Zwischen naturnahem Spielbereich und Spielwiesen soll ein dem Schlosspark würdiger "Aktionsplatz" entstehen. Hier ist ein großer Weidenpavillion vorgesehen, in dem auch kleinere kulturelle Veranstaltungen oder Feste Platz finden können.

Vom Plan zur Wirklichkeit

Die erläuterte Planung lässt sich nur Schritt für Schritt umsetzen. Die Pflege und Gestaltung der Grünflächen und Gehölzbestände braucht "natürlich" Zeit. Für die Baumaßnahmen werden Finanzmittel benötigt, die nur nach und nach bereitgestellt werden können. Einige Projekte sind als Mitbauaktionen mit Kin-dern und Jugendlichen vorgesehen. Als erstes werden ab Frühjahr 2004 der Naturspielraum, einige Elemente entlang der Promenade und die Spielwiesen umgesetzt. Die Landesregierung fördert auch diese Maßnahmen.

Weitere Informationen erhalten Sie gerne bei der Stadtverwaltung Neuwied:
Kinder- und Jugendbüro, Jürgen Gügel, Harald Schwer, Telefon 02631/8381-0
Stadtbauamt, Reiner Geisen, Tel. 02631/802-601
Amt für Immobilienmanagement, Armin Bärz, Tel. 02631/802-661