Karikaturen - Ausstellungsdauer: 26. August bis 23. Oktober 2005

Greser und Lenz

Achim Greser und Heribert Lenz - seit langen Jahren aus der Titanic bekannt - arbeiten nun schon seit 1996 auch als Hauszeichner für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Seit neuestem sind sie auch regelmäßig im stern  vertreten. Die Ausstellung vereint die besten Zeichnungen, die für die FAZ entstanden sind. Neben den Highlights der vergangenen Jahre werden aktuelle Arbeiten präsentiert.

Der Aufschwung ist da!
Karikatur

Die Cartoons von Achim Greser & Heribert Lenz begeistern seit Jahren die FAZ-Leserschaft. Die tagesaktuellen Zeichnungen schlagen ein wie Blitze  in die Bleiwüste der FAZ und in das zerebrale Humorzentrum der Leser. Die Ausstellung »Der Aufschwung ist da! « vereinigt die besten dieser Cartoons. Sie wird stets mit aktuellen Zeichnungen ergänzt!
Die Zeichnungen von Greser & Lenz treffen den Nerv. Sie behalten auch über den Tag hinaus Witz und Gewicht. Politische, kulturelle oder auch sportliche Ereignisse werden von den Zeichnern erhellend kommentiert und bieten die Möglichkeit zur humorigen (Rück-) Besinnung. Ihr Zeichenbüro wird so zum Ministerium für komische Angelegenheiten.

Dem Ausstellungsbesucher bietet sich der Blick in ein komisches Kaleidoskop der laufenden Ereignisse: Mautchaos, Megafusionen, Kindererziehung im Bierzelt, Spendenaffären, Gesundheitsreform, Autobahngebühr, Iran, Irak, Istanbul   usw. usf.  Greser & Lenz haben sowohl die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Geschehnisse als auch den allgemeinen Alltags-Huddel im Blick, oft findet beides in ihren Zeichnungen scherzstiftend zusammen.
Achim Greser und Heribert Lenz brillieren seit vielen Jahren im Satiremagazin Titanic, mal einzeln, mal als kongeniales Zeichnerduo. Ob Tagespolitik oder Alltagsleben, Greser und Lenz scheuen sich vor keinem Thema und beschäftigen sich mit allem, was die Welt bietet. Krisen, Kriege, Krimis, Trunk und Stunk, Moden und Marotten, Religion, Sex und Tod - in Feder- und Bleistiftzeichnungen, Aquarell und Acryl reflektieren sie endgültig Problemstellungen und Menschheitsfragen jedweder Art. 

 Mit Charme und Schabernack gehen sie zu Werke, niemals aber didaktisch und moralisierend. »Als Großmeister und Überwinder der Gattung zugleich fabrizieren Greser & Lenz hochoriginelle Witze und Witzparodien, in denen sie die Gesetze der Scherzzunft bis zur schieren Ex- oder Implosion zusammenknüppeln«, schrieb Dieter Steinmann zur Greser & Lenz-Ausstellung der Caricatura. »Skrupel- und scheuklappenlos bedienen sie sich aus dem Riesenreservoir gängiger Witzschemata, um auch noch den abgestandensten Humorschmarrengenres neuen Strahlenglanz und Witz zu schenken.«
Vollends Weltruhm erlangten Greser und Lenz als Väter der Comicfigur Genschman, des fliegenden Außenministers, und der Roten Strolche, der Protagonisten des ebenfalls in der Titanic erschienenen Kult-Comic, in dem die Last-Action-Heroes der SPD als Tiere des Waldes vergeblich den allesfressenden Oberförster zu besiegen suchten. 

 Ihr innigster Wunsch ist es, einmal genügend Honorar zusammenzubekommen, dass sie das Münchner Hofbräuhaus aufkaufen können, um es wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen: "Eine Stätte, in der die Menschen reichlich, preiswert und gut versorgt zusammenhocken und mit geistreichen und komischen Reden aufeinander einteufeln."
Gerhard Henschel dichtete über das Zeichnerdoppel:

"Tri-Top, Tinte, Tusche, Tesa,
das benutzt Herr Achim Greser.
Filzer, Füller, Feder, Flens,
das gebraucht Herr Ibert Lenz.
Vorschub leisten alle beide
herzensreiner Schadenfreude."

Achim Greser, geboren 1961 in Lohr am Main, und Heribert Lenz, geboren 1958 in Schweinfurt, lernten sich beim Graphikstudium an der Fachhochschule Würzburg kennen. Beide gehörten jahrelang der Titanic-Redaktion an und arbeiten heute noch regelmäßig für das Satiremagazin. Gemeinsam mit den Titanic-Kollegen Christian Schmidt und Hans Zippert entstanden die Comicbände "Genschman" und "Die roten Strolche" sowie das Bilderbuch "Ein Bier geht um die Welt" (alle Elefanten Press). Außerdem veröffentlichten Greser und Lenz im Verlag Weißer Stein das Cartoonbuch "Ich lach dich tot". 

 Inzwischen sind sie als Duo mit ihren Karikaturen regelmäßig als Hauszeichner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und seit 2004 auch im stern  präsent.
Einzeln arbeiten beide Zeichner immer wieder als Buchillustratoren. Erste schauspielerische Lorbeeren ernten sie als Polizeibeamte in einem Fernsehkrimi.

Publikationen und Preise

Karikatur
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Greser & Lenz: »Rettet die Faustkeilindustrie«
Verlag Antje Kunstmann, München 1998

Greser & Lenz: »Hausschatz des Goldenen Humors«
Verlag Antje Kunstmann, München 1999

Greser & Lenz: »Aufstand der Anständigen«
Verlag Antje Kunstmann, München 2001

Greser & Lenz: »Der Aufschwung ist da!«
Verlag Antje Kunstmann, München 2004

Greser & Lenz: »Lesen? Das geht ein, zwei Jahre gut, dann bist du süchtig«
Edition Tiamat, Berlin 2004

Preise

2000 
Karikaturenpreis »Rückblende« vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, Berlin

2004 
Deutscher Karikaturenpreis, Dresden

Greser & Lenz:
"Häufig wird uns die Frage gestellt: Warum bzw. wie geht das eigentlich, Witzezeichnen zu zweit? Unsere Gegenfrage lautet: Sind nicht für alle menschlichen Vorgänge, die Jubel, Trubel und Heiterkeit stiften, zwei Personen vonnöten? Ja, ist es nicht - und zu Recht - verdächtig und verpönt, etwa die Alkoholzufuhr und den Geschlechtsverkehr alleine zu bewerkstelligen?"

Beißende Form

Karikatur
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Nürnberg: Greser & Lenz im Kunstverein
Wer Titanic oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung liest, wird regelmäßig mit den Cartoons von Greser & Lenz konfrontiert. Annette Tietenberg hatte die beiden Karikaturisten 2001 anlässlich der Ausstellung "Frankfurter Kreuz" in der Schirn Kunsthalle gezielt in den Kunstkontext eingebunden. Mit Recht! 2001 ist im Verlag Antje Kunstmann (München) ein 200 Seiten starker Band mit ihren Arbeiten erschienen (mit einem treffenden, schönen Nachwort von Martin Mosebach). ... Cartoonisten entwickeln einen Stil. Je reduzierter die Bildsprache, von der Chiffre über das Ideogramm bis zum Piktogramm, desto karger die Sprechblasen. Die semantische Glaubwürdigkeit zwischen Sprache und Bild bewegt sich auf einem schmalen Grat. Im besten Fall besitzt die Aussage die Schärfe ihrer Visualisierung. Ganz anders bei Greser & Lenz. Ihr Stil ist realistische, opulent, flächenfüllend wie die Malerei im 19. Jahrhundert. Die Sprechblase ist keine Notwendigkeit. Eine Zeile unter der Zeichnung genügt. Die Zeichnungen sind mehrheitlich in Tusche, Feder und Pinsel ausgeführt. Die Ironie ist von Mutterwitz geprägt. Im "Wahrig" wird Mutterwitz als "angeborener Witz", als "natürliche Schläue" bezeichnet. In einer Zeit, in der die Devise lautet, cool zu sein, und die Ironie zum erlernten Stilmittel wird, um "in" zu sein, zeigen uns Greser & Lenz, dass Ironie nur dann funktioniert, wenn sie " wie bei Plcabia " mit totaler Hingabe praktiziert wird. Ironisch sein, heißt eben nicht, die Ironie ironisch zu handhaben, sondern der Ironie eine leidenschaftliche Tiefenschärfe zu verleihen.

Die Stärke von Greser & Lenz besteht darin, einer Idee ihre vollumfängliche, beißende Form zu geben. Und da sie eben nicht reduktionistisch arbeiten, gibt es keinen Bereich, in dem sie nicht aus dem Vollen schöpfen können. Greser & Lenz haben ein "politisches" Gespür, das alle Ebenen einschließt. Sie können das "Palaver um den heißen Brei" wie ein Nagel auf den Kopf treffen. Zum Mutterwitz gesellt sich jener des Bildwitzes, der eben mehr als ein Witz ist - dann wenn er, einem Gemeinplatz gleich, den richtigen Moment situativ erfasst. Zum Bildwitz gehört die Bilder-Findung und die Bild-Erfindung - so in jener Karikatur, in der Saddam Hussein im offenen Wagen triumphierend durch die 5th Avenue in New York defiliert, von Gleichgesinnten überschwänglich gefeiert: Der Traum des Diktators, der Horror eines Präsidenten - Greser & Lenz zeigen, wie absurd nahe das gegensätzliche liegen kann, ob in diesem oder jenem Bereich.

Für mich sind Greser & Lenz Künstler, weil es ihnen gelingt auf hohem Niveau zu den Menschen zu sprechen. Wäre ich noch Museumsleiter, ich würde eine große Zahl ihrer Arbeiten erwerben. Wie sagt es doch Martin Mosebach: "Lächerliche Kleinigkeiten werden wichtig, der Augenblick wird als hochbedeutsam empfunden, eine grundsätzliche Sympathie mit allem was geschieht, kommt auf und eine Bereitschaft ohne besonderen Anlass in Gelächter auszubrechen."
Jean-Christophe Ammann, Kunstzeitung, Nr. 80, April 2003

Öffnungszeiten und Allgemeine Infos

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Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag
14.00 bis 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag
11.00 bis 18.00 Uhr
Gruppen nach Vereinbarung

Infos: Petra Neuendorf, Tel. 02631-802468

Ausstellungsdauer: 8. April bis 29. Mai 2005

StadtGalerie
in der ehemaligen Mennonitenkirche
Schlossstraße 2
56564 Neuwied
Telefon: 02631/20687
Greser & Lenz: Der Aufschwung ist da! ist eine Ausstellung der Stadt Neuwied in Zusammenarbeit mit der CARICATURA, Kassel