Neuwied mit den Augen einer Frau betrachten

Nicht nur Männer haben in Neuwied Geschichte gemacht - auch viele Frauen prägten das Leben in der Deichstadt. Während Frauen wie Elfriede Seppi und Johanna Loewenherz eher politisch wirkten, gingen die Aktivitäten von Carmen Sylva und Wittmanns Ann in eine ganz andere Richtung.

Elfriede Seppi

"Wir leben durch die Menschen - lasst uns für die Menschen leben" war das Leitmotiv von Elfriede Seppi (1910 - 1976), die sich auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene unermüdlich für die sozial Schwachen und Bedürftigen einsetzte. Johanna Loewenherz (1857 - 1937), eine gebürtige Rheinbrohlerin, kam über die bürgerliche Frauenbewegung mit der Politik in Berührung. Die Jüdin lehnte sich schon früh gegen die zu ihrer Zeit übliche Frauenrolle auf. Schon im 19. Jahrhundert kämpfte Johanna Loewenherz für das, was nach mehr als 100 Jahren immer noch aktuell ist: die Erwerbstätigkeit von Frauen und ihre Bezahlung.

Carmen Sylva

Ganz anders gelagert war das Engagement von Carmen Sylva (1843 - 1916). Die Prinzessin Elisabeth zu Wied, 47 Jahre lang Königin von Rumänien, verbrachte die Zeit bis zu ihrem 26. Lebensjahr in der Deichstadt. Sie setzte sich nachhaltig für den kulturellen Austausch zwischen Ost- und Westeuropa ein und bot Künstlern, insbesondere Musikern, einen längeren Wohn- und Arbeitsaufenthalt in ihrer Sommerresidenz Schloss Monrepos. Aber auch ihre schriftstellerische Arbeit, ihre Bemühungen um ein europäisches Denken und um die Friedensbewegung sowie nicht zuletzt ihr ausgeprägtes soziales Engagement kennzeichneten ihr eindrucksvolles Wirken.

Wittmans Ann

Wittmanns Ann (1887 - 1961) dagegen war ein echtes Neuwieder Original. Es gibt nur wenige Neuwieder Frauen, die aus dem gesellschaftlichen Abseits kommen und an die die Erinnerung immer noch lebendig ist. Wittmanns Ann, geborene Anna Römer, zog in der "Kiddelscherz", mit Handtasche und mit bunten Bändern geschmückter Gitarre, durch die Straßen der Stadt, sorgte bei Familienfeiern, auf Fest- und Rummelplätzen mit ihren Liedern für Stimmung. Sie konnte weder richtig singen noch ihr Instrument spielen - aber das zählte nicht. Mit ihren Liedern öffnete sie die Herzen der Menschen. Praktische Nächstenhilfe - das war bis zuletzt Anns Antrieb all ihrer Gesangsaktivitäten. Sie versprach, das, was sie an "Lohn" erhielt, an Bedürftige und Kinder weiterzugeben. Und sie hielt Wort ...

Mathilde Berninger

Mathilde Berningers Einsatz lag im wirtschaftlichen und unternehmerischen Bereich. Ihrem Mut und Engagement ist es zu verdanken, dass in den Wirren der beiden Kriege eine große Neuwieder Firma überleben konnte. Zuverlässigkeit, Sorgfältigkeit und Hilfsbereitschaft zeichneten sie als unerschütterliche Frau aus. Ihr Schicksal steht für viele Frauen in Neuwied, die in den Zeiten bitterster Not auf sich alleine gestellt waren.

Großen Mut bewies auch Kirstin Diehl. Die junge Frau, schon als Teenager unheilbar an Krebs erkrankt, setzte sich bis zuletzt für die Erforschung der Krebsmedizin ein. Sie gründete kurz vor ihrem Tod den Verein "Kirstins Weg", der deutschlandweit Beachtung fand und bis heute nachhaltig die Krebsforschung vorantreibt. Ohne Kirstin und ihren Einsatz für die Eigenverantwortlichkeit der Patienten hätte gerade dieser Bereich der Krebsmedizin nicht solch entscheidende Fortschritte gemacht.

Quelle und Bildnachweis:
"Von Frau zu Frau", Band I (1993) und II (1995) Herausgegeben vom Frauenbüro Neuwied. Erschienen im Verlag Peter Kehrein, Neuwied